Über uns

auf dem Bioland-Hof Hirschtalhof

1963 bis 1971

1963 wurde der Betrieb von meinen Großeltern Gerhard und Maria Heidt ausgesiedelt und Hirschtalhof genannt. Bis dahin war der kleine Nebenerwerbsbetrieb meiner Urgroßeltern im Ortskern von Söllingen bewirtschaftet worden. Mein Opa war eigentlich Schmiedemeister in 4. Generation, aber seine Leidenschaft lag viel stärker in der Landwirtschaft.
Den damaligen Verhältnissen entsprechend baute man für 8 Milchkühe und dem dazugehörenden Jungvieh. Außerdem konnten noch einige Mastschweine gehalten werden. Die bewirtschaftete Fläche betrug etwa 10 ha Ackerland und 7 ha Grünland. Dieser Betriebsumfang war schon bald nicht mehr ausreichend und die Rindviehhaltung wurde mehr und mehr erweitert. Bis zum Jahr 1971 war dann die Rindviehhaltung auf etwa 60 Tiere angestiegen, davon 23 Milchkühe.

1972 bis 1985

Die Arbeitsbelastung meiner Großeltern war hoch. Hinzu kam, dass mein Großvater – verursacht von einem früheren Unfall – zunehmende gesundheitliche Schwierigkeiten mit der Wirbelsäule bekam. Besonders die Haltung beim Melken war für ihn sehr schmerzhaft. Deshalb entschloss man sich für eine Umstellung auf Ferkelerzeugung. Diese wurde in kleinen Schritten vollzogen. Die Milchkühe wurden nach und nach, bis auf 2-3 Kühe, verkauft. Nach dem Abschluss der Umstellungsmaßnahmen hatte die Sauenhaltung einen Umfang von etwa 50 Muttertieren. 1976 wurde ein Tiefstall neu gebaut, in dem dann Mastbullen untergebracht waren.

1985 bis 2004

1985 übernahmen meine Eltern die Betriebsleitung. In den 90er Jahren erweiterten sie auf 100 Muttersauen, die letzten beiden Kühe wurden verkauft und die Mastbullenhaltung aufgegeben. Zeitgleich wurde der dadurch freiwerdende Tretmiststall zum Wartestall mit Abruffütterung umgebaut. Bis 2003 führten meine Eltern den Betrieb im Vollerwerb mit 100 Zuchtsauen – fast ausschließlich ohne Anbindehaltung – sowie 35 ha Ackerbau und Wiesen. Die finanziellen Herausforderungen auf dem Schweinemarkt zwangen meine Eltern, über die Zukunft des Hofes nachzudenken. Eine Zusammenarbeit mit Naturland stand im Raum, aber auch eine komplette berufliche Veränderung des Betriebsleiters. Mein Vater bekam das Angebot einer interessanten, außerbetrieblichen Anstellung und meine Eltern entschieden sich für diesen Weg. Im Dezember 2004 verließ die letzte Muttersau unseren Hof.

2004 bis 2020

Von 2004 bis 2020 bewirtschafteten meine Eltern den verbleibenden Ackerbau im Nebenerwerb und die Ställe standen alle leer. Auf allen Ackerflächen wurde aus arbeitswirtschaftlichen Gründen ausschließlich Mais angebaut. Meine Brüder und ich gingen unsere eigenen Wege, keiner so wirklich in Richtung Landwirtschaft.

Meine Geschichte

beginnt 1984. Ich wurde als älteste Tochter geboren, dann meine zwei Brüder. Für mich ist der Hirschtalhof bis heute der Inbegriff von Heimat, Zufriedenheit und Freude. Ich liebte es, mit anzupacken, auf dem Schlepper (mit) zu fahren oder unsere Tiere zu versorgen. Auf dem Hirschtalhof war ich glücklich. Bereichernd war auch das Zusammenleben der drei Generationen – für meine Großeltern und Eltern zwar nicht immer ganz leicht, für uns Kinder aber ein Segen. Meine Eltern übten keinerlei Druck aus, was die Nachfolge des Hofes anging, und ich habe als Jugendliche nicht wirklich in Erwägung gezogen, Landwirtin zu werden. Heute erscheint mir das seltsam, aber ich bin sehr dankbar für meinen Weg bis hierher.
Nach dem Realschulabschluss absolvierte ich eine Ausbildung in einem der 14 grünen Berufe: Hauswirtschafterin. Die Entscheidung meiner Eltern, die Ferkelerzeugung zu beenden und den Hof auf Nebenerwerb umzustellen fällt in diese Zeit und hat mich damals ziemlich traurig gemacht.

Ein paar Jahre später schloss ich die Weiterbildung zur Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin an der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell ab.
Danach folgten sechs Jahre Mitarbeit in einem internationalen, christlichen Missionswerk, davon zwei Jahre auf einem Hochseeschiff und vier Jahre Leitung der Hauswirtschaft im Gästehaus des Missionswerks. Dazwischen verbrachte ich zwei Jahre auf den Philippinen, wo ich die Ausbildung zur Hebamme mit amerikanischem Abschluss machte.
Anschließend ging es für mich endgültig wieder zurück nach Deutschland und für einige Jahre in eine Anstellung als Küchenleitung in einem Tagungs- und Gästehaus.
Seit drei Jahren arbeite ich nun in einer Kita und werde diese Anstellung vorraussichtlich im Herbst beenden, um mich dann komplett selbständig zu machen.

MV Doulos…

…mein Zuhause für 2 Jahre…

…hier war ich „head baker“.

Ausbildung…

…in den Philippinen (USA)…

…zur Hebamme.

2020 bis heute

2020 ging mein Papa in Rente und wir nahmen dies zum Anlass, wieder einmal über die Zukunft des Hofes nachzudenken. Mir war zu diesem Zeitpunkt klar, dass ich den Hof und das Erbe meiner Großeltern und Eltern gerne erhalten würde, aber nur, wenn wir wieder „richtig Landwirtschaft betreiben würden“. Sowohl meiner Familie als auch mir ist es wichtig, eine Landwirtschaft aufzubauen, die dem Auftrag Gottes aus 1. Mose 2,15 (die Bibel) gerecht wird: einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur als Gottes Schöpfung zu pflegen und sie zu schützen. Gemeinsam haben wir dann entschieden, dass ich den Hof weiter betreiben werde und auf organisch-biologischen Anbau umzustellen. Von 2020 bis 2025 hatte ich den Betrieb von meinen Eltern gepachtet, seit Juli 2025 gehören Betrieb und Wohnhaus der Rahel und Simon Jung eGbR. Den landwirtschaftlichen Betrieb leite und bewirtschafte ich. Beim Hineinwachsen in die Aufgaben hat sich dann meine Vision für den Hof entwickelt. Ich entdeckte wieder neu, wie viel Freude mir die Arbeit in der Landwirtschaft, mit dem Boden, den Pflanzen und den Tieren macht. Um das Ziel, den Hirschtalhof wieder attraktiv und zukunftsfähig zu machen, fundiert umsetzen zu können, habe ich mit einem Bioland-Berater ein Betriebskonzept erarbeitet, das u.a. den Start einer Hof-Bäckerei mit Hof-Lädle und die Erweiterung der Legehennen-Haltung beinhaltet. Außerdem drücke ich die (Abend)Schulbank um „staatlich geprüfte Fachkraft für Landwirtschaft“ zu werden.
Auch wenn ich allein verantwortlich bin für meinen Betrieb, ohne die Unterstützung meiner Familie und Freunde könnte mein Vorhaben nicht gelingen und deshalb ein großes Dankeschön an dieser Stelle!