Landwirtschaft

auf dem Bioland-Hof Hirschtalhof

Ackerbau

Mit der Unterstützung meiner Familie bewirtschafte ich 16 ha Ackerland und 4 ha Grünland. Auf meinen Feldern wachsen Dinkel, Weizen, Hafer, Linsen und Kleegras, von den Wiesen hole ich einmal im Jahr Heu für die Schafe. Außerdem wird zukünftig ein Mobilstall mit Legehennen dort stehen, wo in der Fruchtfolge gerade Kleegras wächst. Mehr Infos dazu hier und unter Aktuelles.

Tierhaltung

Seit einigen Jahren halte ich für unseren Eigenbedarf Vorwerkhühner und Schwedische Blumenhühner. Zukünftig sollen noch zwei Mobilställe dazukommen. Außerdem halte ich zur „Landschaftspflege“ rund um den Hof Coburger Fuchsschafe. Die Nachzucht ist für den zukünftigen Verkauf von Lammfleisch gedacht. Mehr Infos hier und unter Aktuelles.

Direktvermarktung

Voraussichtlich ab Frühsommer 2026 werde ich dienstags und freitags in der Hof-Bäckerei Brot aus dem eigenen Getreide – zum Teil im Holzbackofen – backen und verkaufen.
Montag bis Samstag wird außerdem das Hof-Lädle zur Selbstbedienung geöffnet haben.
Mehr Infos zum Sortiment und zur Herstellung unter Hof-Bäckerei & Lädle.

Boden & Pflanze

In der biologischen Landwirtschaft wird die Pflanze nicht gefüttert;
das Ziel ist eine Pflanze, die von selbst wächst.
Das geht aber nur auf einem lebendigen Boden und deshalb steht im Mittelpunkt eines solchen Betriebes der Boden
und immer wieder nur der Boden.

Dr. Hans Peter Rusch – geistiger Gründer der organisch-biologischen Landbaumethode

Ackerbau allgemein

Ich bewirtschafte einen verhältnismäßig kleinen Betrieb mit insgesamt 20 Hektar Fläche. 16 ha sind als Ackerfläche deklariert. Hier arbeite ich in einer 5-gliedrigen Fruchtfolge. Dies ist die geplante, zeitliche Abfolge verschiedener Kulturpflanzen auf derselben Anbaufläche über mehrere Jahre, indem man beispielsweise Pflanzen derselben Familie nicht direkt nacheinander anbaut. Wenn die Fruchtfolge sinnvoll gestaltet ist, erfüllt sie eine äußerst wichtige Funktion indem sie Erosion vermeidet , Fruchtfolgekrankheiten verhindert, die Bodenfruchtbarkeit und Bodengesundheit fördert, den Befall von Schädlingen und Krankheiten minimiert und im ökologischen Landbau die Stickstoffversorgung durch Leguminosenanbau sichert.
Die Beikrautregulierung geschieht bei uns rein mechanisch mit dem Striegel oder manchmal sogar in Handarbeit. Außerdem lasse ich meine Felder pflügen – unter Bio-Bauern ein umstrittenes Thema, aber in meinem Fall notwendig, um die Beikräuter in Schach zu halten.
Ich achte darauf, dass der Ackerboden (fast) immer bedeckt ist und reduziere die Bodenbearbeitung so weit als möglich. Dies schützt den Boden vor Erosion durch Wind und Wasser, verhindert Verschlämmung, erhält die Bodenfruchtbarkeit und reguliert den Wasserhaushalt. Zudem wird die Tragfähigkeit des Bodens erhöht, das Bodenleben gefördert, Humus aufgebaut, Verdunstung verringert und Beikraut unterdrückt.

Getreide

Momentan baue ich Dinkel, Weizen und Hafer in Speisequalität an. Bei der Wahl der Sorten orientiere ich mich am Standort, am Einsaatzeitpunkt, am Ertrag und bei Dinkel und Weizen auch an der Backqualität, denn ich benötige ja einen Teil des Getreides um Brot zu backen, sowie für die Direktvermarktung von Körnern, Flocken und Mehl.
Eingesät werden Weizen und Dinkel im späten Herbst (Winterung), Hafer und Linsen im Frühjahr (Sommerung).
Der größere Teil des Getreides wird während der Ernte vom Mähdrescher direkt auf LKWs abgetankt und zur rebio (regionale Bioland Erzeuger-Gemeinschaft) nach Rottenburg am Neckar transportiert.
Der Dinkel, der für die Direktvermarktung zurückbleibt, wird bei einem Biolandhof in der Nähe entspelzt. Ebenso wird ein Teil des Hafers dort geschält. Einen Teil des Weizens lasse ich in einer nahegelegenen Dorfmühle reinigen. Dinkel und Weizen werden dort teilweise zu Mehl gemahlen. Einen Teil behalte ich als Körner zurück, um daraus selbst Vollkornmehl zu mahlen oder Flocken zu quetschen. Alle diese Produkte wird es dann im Hof-Lädle zu kaufen geben.

Hülsenfrüchte

2025 habe ich es gewagt, eine bei uns etwas selten gewordene Pflanze anzubauen: die Linse. Linsen gehören zu den ältesten Kulturpflanzen in der mitteleuropäischen Landwirtschaft. In einigen Ländern, vor allem in Asien, sind sie ein Hauptnahrungsmittel. Auch in Deutschland war die Linse noch vor hundert Jahren auf geeigneten Böden für die Selbstversorgung bedeutend. Mit der Änderung der Agrarstrukturen ging der Anbau in Deutschland stark zurück. Im ökologischen Landbau wurde die Linse jedoch in den vergangenen Jahren wiederentdeckt. Linsen werden im „Gemenge“ angebaut. In meinem Fall bedeutet das, dass ich Hafer und Linsen gemeinsam einsäe. Die Linse wächst dann am Hafer empor und kann dadurch besser gedroschen werden. Allerdings müssen nach der Ernte Linsen und Hafer wieder voneinander getrennt werden – wir bringen hierzu das Linsen-Hafer-Gemisch zu einer Mühle in der Nähe.

Zwischenfrüchte

Durch den Anbau von Zwischenfrüchten kommt Leben in den Boden. Über die Pflanzen wird (Sonnen-)Energie gespeichert und den Mikroorganismen in Form von leicht umsetzbarer organischer Substanz als Nahrungsgrundlage zur Verfügung gestellt. Wurzelausscheidungen regen zusätzlich die mikrobiellen Umsetzungsprozesse an. Durch das Bodenleben werden direkt und indirekt alle Wachstumsbedingungen und der Zustand der Bodengare verbessert.
Zwischenfrüchte können außerdem durch Pflanzenkonkurrenz (Lichtentzug!) einen entscheidenden Beitrag zur Unkrautregulierung leisten. Als Bio-Betrieb mit wenig eigenem Wirtschaftsdünger (Gülle, Mist) bin ich auf die Leistungen aus dem Zwischenfruchtanbau für Boden und Folgekulturen angewiesen und profitiere von einer gelungenen Zwischenfrucht.
Wichtig für den Anbau von Zwischenfrucht ist hochwertiges Saatgut, das direkt nach der Ernte der Hauptfrucht (meist im August) eingesät wird. Hier ist die Herausforderung, dass zu diesem Zeitpunkt oft wenig Feuchtigkeit im Boden ist, bzw. auch der Regen ausbleibt. Auf den Feldern, auf denen Winterung (Weizen und Dinkel) angebaut wird, mulche ich im Herbst die Zwischenfrucht und lasse diese Flächen pflügen. Dort wo im Frühjahr Hafer und Linsen eingesät werden sollen, bleibt die Zwischenfrucht stehen und wird, je nach Witterung, erst im Februar untergepflügt.
Es ist wichtig, Zwischenfrüchte im Gemenge anzubauen, also mehrere verschiedene Pflanzen(arten) miteinander. Gemenge erschließen den Boden mit ihren unterschiedlichen Wurzeln besser. Dadurch haben Mischungen den Vorteil, verschiedene Bodenzonen zu erschließen, sich gegenseitig in ihrer Wirkung zu ergänzen und auch mehr Vielfalt in Boden und Fruchtfolge zu bringen, ganz zu schweigen vom schönen Anblick wenn die verschiedenen Pflanzen blühen und ihrem Nutzen für Insekten und Vögel.

Kleegras

Feinleguminosen wie Klee und Luzerne binden durch Knöllchenbakterien Luftstickstoff, wodurch sie den Boden mit Nährstoffen anreichern und den Einsatz von Mineraldünger reduzieren. Diese Eigenschaft ist unverzichtbar für einen Betrieb der organisch-biologisch wirtschaftet, insbesondere wenn keine oder wenig Tiere und damit kein oder wenig Mist oder Gülle vorhanden ist. Für die Praxis bedeutet das, dass ich meine Böden beobachte und dann entscheide, auf welcher Fläche der Anbau von Kleegras notwendig ist. In der Regel steht bei mir rotierend auf jeder Fläche ein Mal in 5-6 Jahren für etwa 14 Monate Kleegras. Dieses wird im Sommerhalbjahr mehrmals mit einem Doppelbalkenmähwerk gemäht. Das Mähgut verbleibt auf dem Acker und dient den Bodenlebewesen als Nahrung, die Kleepflanzen wachsen innerhalb kürzester Zeit wieder nach. Im Oktober wird der Bestand dann gemulcht und gepflügt und dann die Folgefrucht – meist Winterweizen – eingesät.

Wiesen

Für mich ein ganz zauberhafter Ort sind meine extensiv genutzten Wiesen am Rand des Rittnertwaldes. Die Schlagnamen „Lochberg“ und „Hügenrain“ sagen nichts darüber aus, wie lieblich dieser Ort ist. Es ist so steil dort, dass man meinen könnte, im Schwarzwald zu sein. Hier mähe ich nur ein Mal im Jahr, irgendwann nach dem 15. Juni bis Anfang Juli – je nach Wetter. Durch diesen späten, einmaligen Mahdtermin bekommen die vielen verschiedenen Wiesenkräuter und -pflanzen die Möglichkeit, Samen zu bilden und auszusäen. Vögel und Insekten freuen sich, wenn sie bei mir zu diesem Zeitpunkt noch Blüten und Samen finden. Das daraus entstandene Heu ist scheinbar echt lecker, denn unsere Schafe lieben es.

Brache

Einige meiner Flächen sind so klein und nicht mehr mit dem Mähdrescher erreichbar, so dass ich dort „Blüh-, Brut- und Rückzugsflächen für Niederwild“ anbaue. In der Praxis läuft dies wie folgt ab:
1. Jahr: Einsaat auf kompletter Fläche, keine Pflege.
2. Jahr: Neueinsaat auf 50 Prozent der Fläche, 50 Prozent keine Pflege.
3. Jahr: Neueinsaat und Brachefläche werden getauscht.
Diese Flächen sind wichtige Lebensräume und Strukturelemente in unserer Kulturlandschaft. Als Landwirte erhöhen wir dadurch zum einen die Strukturvielfalt in der Feldflur, zum anderen finden zum Beispiel Rebhuhn, Feldhase und Insekten das komplette Jahr über Nahrung und Deckung. Durch das jährliche „Rotieren“ über die Fläche sind ältere Blühbereiche, wie auch frisch aufgelaufene Stellen zu finden und vor allem für Jungtiere leicht erreich- und begehbar.

Boden & Tiere

Biobauernhöfe handeln im ökologischen Kreislauf. Unsere Tiere fressen ihr Futter, ob Wiese oder Heu, und teilweise auch Getreide. Ihre Hinterlassenschaften und die Einstreu kommen als Dünger zurück auf den Acker. Der Mist düngt die Pflanzen, und die dienen dann wiederum als Futtermittel oder als Lebensmittel. Und nebenbei hilft der Mist beim Humusaufbau. Ein ganz natürlicher Kreislauf, bei dem es keinen synthetischen Dünger braucht.
Voll öko eben…

aus „Zwischen Hütehund und Himmel“ von Thorsten Schmale

Warum Tiere?

Bis 2018 war der Hirschtalhof fast tierlos – abgesehen von unseren 4 Katzen. Für mich macht Landwirtschaft ohne Tiere aber keinen Sinn. Klar, sie bringen Arbeit mit sich und wenn sie krank sind, mache ich mir Sorgen, aber ich möchte nicht ohne sie sein. Sie bringen so viel mehr Freude und erden mich, nehmen mich so, wie ich bin. Haben keine Erwartungen (außer, dass ich sie mit Futter und Wasser versorge) und sie liefern mir wertvollen Mist – ein ganz wichtiger Faktor, wenn ich eine Kreislaufwirtschaft auf meinem Betrieb haben möchte. Was ja mein Ziel ist, als Bio-Bäuerin.

So habe ich 2018 begonnen den Hirschtalhof wieder mit Vierbeinern, bzw. zuerst einmal mit fliegenden Zweibeinern – fünf Legehennen und ein Hahn – zu bevölkern. Inzwischen leben im Schnitt 10 Legehennen und ein Hahn auf dem Hof.
2022 kamen dann noch vier Schaf-Damen hinzu. Inzwischen haben sie schon zwei Mal Nachwuchs bekommen und die Herde ist auf 10 Schafe angewachsen.

Über die nächsten Jahre soll der Bestand noch weiter wachsen, natürlich um die Produkte dieser Tiere verkaufen zu können, aber auch, um eigenen Mist zu haben, den ich auf meinen Feldern als Dünger ausbringen kann.

Schafe

Auf dem Hirschtalhof leben momentan zehn Schafe – drei Auen (das sind die weiblichen Schafe), ihre sechs Lämmer und ein kastrierter Bock. Sie sind im Moment, aufgrund ihrer Anzahl, an erster Stelle „Rasenmäher“, so dass ich die Wiesen rund um den Hof nicht mehr maschinell mähen muss, zum Anderen natürlich auch eine große Freude für alle Bewohner des Hirschtalhofs und für jeden, der zu uns auf den Hof kommt. Ganz besonders in der Lammzeit. Die Auen werden jedes Jahr im Herbst gedeckt und lammen dann zwischen Ende Februar und Ende März. Schafe sind zwar sehr genügsam, aber erst richtig „glücklich“ und entspannt, wenn sie in einer Herde leben. Zehn Schafe sind noch keine Herde. Darum werde ich die Herdengröße mit der eigenen Nachzucht über die nächsten Jahre erweitern, auf etwa 10 Mutterschafe mit ihren jährlichen Nachkommen. Die Bocklämmer kommen mit ca. einem halben Jahr in eine reine „Männer-Herde“ und werden mit etwa 8-10 Monaten geschlachtet. Dieses Fleisch wird zukünftig mein Direktvermarktungssortiment erweitern. Mehr Schafe produzieren natürlich auch mehr Mist, den ich dann auf meinen Feldern als Dünger einsetzen kann.

Hühner

Seit 2018 halte ich Hühner, bisher einfach zur Freude und wegen der Eier für den Eigengebrauch. Ganz wichtig war mir von Anfang an, dass es alte Rassen sind und solche, deren Erhalt erstrebenswert ist. Deshalb habe ich mit der Rasse „Vorwerk“ begonnen und inzwischen noch die Rasse „Schwedische Blumenhühner“ dazugenommen. Beide Rassen gehören zu den Zweinutzungshühnern, welche sowohl gut Eier legen als auch ausreichend Fleisch liefern. Dies ist eine Rückbesinnung auf traditionelle Rassen, die beide Geschlechter wirtschaftlich nutzbar macht, im Gegensatz zu hochspezialisierten Hybriden, bei denen die Bruderhähne oft aussortiert werden. Diese robusten Tiere sind ideal für uns in der ökologischen Landwirtschaft, da sie weniger anfällig für Krankheiten sind und eine bessere Tierhaltung ermöglichen, auch wenn sie nicht die Spitzenleistung der spezialisierten Rassen erreichen.
Voraussichtlich im Januar nächsten Jahres werde ich meine Hühnerhaltung um einen kleinen Mobilstall erweitern, nach ca. 6 Monaten wird wahrscheinlich ein zweiter dazukommen. Beide Ställe „wandern“ in der Fruchtfolge mit. Also immer da, wo gerade Kleegras wächst, werden die Hühnermobile stehen.
Ein bedeutender Vorteil der mobilen Hühnerhaltung liegt im optimalen Auslaufmanagement: Legehennen in der Freilandhaltung neigen dazu, die Auslauffläche im stallnahen Bereich sehr intensiv zu nutzen und abzuweiden, was sich meist negativ auf Bewuchs, Boden und Grundwasser auswirkt. In der mobilen Hühnerhaltung können durch das regelmäßige und rechtzeitige Versetzen der Mobilställe solche unerwünschten Folgen der intensiven Auslaufnutzung deutlich reduziert werden. Außerdem „düngen“ die Hühner an diesen Stellen direkt den Boden. Der übrige, im Stall „gesammelte“ Hühnermist, wird später dann zusammen mit dem Schafsmist auf die Felder ausgebracht.